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Bad Gandersheim/S (Süd)

erstellt von Jörg Dummann zuletzt verändert: 05.11.2017 21:00
Bad Gandersheim / ca. 1.250;
Jörg Dummann
Datum
04.11.2017
Windrichtung
S (Süd)
Ort des Wellensteiggebietes
Bad Gandersheim
Auslöser
div.
Erreichte Höhe
ca. 1.250 (max. im Tagesverlauf (Twin - Rolf Dehne)
Zeit-Bezugssystem
UTC
Höhen-Bezugssystem
QNH
Weitere Daten
Verein:  LSV Bad Gandersheim - Akaflieg Göttingen
Flugzeugtyp: ASK 13                   
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Startort:   Bad Gandersheim (EDVA)         
Startzeit:  14:11
Landeort:   Bad Gandersheim (EDVA) 
Landezeit:  15:40
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Bodenwindrichtung/Bodenwindstärke:  Gegen 11:30(Z)S mit östlicher Komponente, geschätzt 6-8 m/s
                                    Im Tagesverlauf bis Sunset auffrischend auf geschätzt 8-10 m/s
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Einstieg in die Welle/n:         NE des Platzes über dem östlichen Ortsrand v. Bad Gandersheim (Bereich Bahnlinie / Campingplatz)
                                 12:30 (Z) bis ca. 15:30 (Z)
Für jedes Wellensystem:
Einstieg(e) aus:                 Winde
Einstieg(e) in Höhe:             ca. 400 m
Angetroffene Steigwerte:         0,5 m/s in Spots (zeitlich / räumlich) - z.T. auch ohne die Nähe von Kondensationen -  bis fast 2 m/s
Erreichte Höhe(n):               Max. ca. 1.250 N.N. (leider ließen sich die IGC-Datei nicht aus dem FLarm des Twin auslesen) beim ersten Flug von Rolf (Dehne) mit unserem Twin, das Niveau des flachen Stratus dort minimal übersteigend.
Ausdehnung des Steiggebietes:    Fast bis zum Leinetal im Westen wie fast bis zur Autobahn im Osten.
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Vermuteter Auslöser:             Das ist das bei uns bekannte System, das aus mindestens ein bis zwei Amplituden stromauf und der gleichen Anzahl weiter stromab (Welle Salzdetfurth?) besteht.
                                 Ein einzelner Auslöser lässt sich hier nicht festlegen.                               
Höhenwindrichtung(en)/ Höhenwindstärke(n): Keine Messung (siehe freier Bericht)
Temperaturangaben:               Keine Messung - Stratuschicht in c. 1.250m mutmaßlich Inversionsniveau
Freier Bericht
Schon bei meiner Ankunft auf dem Platz fiel auf, dass sich in dem später erflogenen Wellenfluggebiet unter der hohen Bewölkung Streifen des geringmächtigen Stratus - wie später festgestellt in ca. 1.000 m über Platz - quer zum Wind ausbildeten. Ganz klassich war darunter (später erflogen in Höhen 600 - 700 m (QFE)) mutmaßlich als Folge der dortigen Rotor-Konvergenz eine schmale Linie geringmächtiger Quellwolkenformen, zeitlich variabel z.T. über die ganze Länge des Gandersheimer Tales nach Osten zu beobachten. Beobachtbar waren im Norden ein folgender Föhnlückenbereich und ein weiterer Wolkenstreifen im Stratusniveau. Im südlichen Luvbereich waren keine markanten Strukturen auszumachen.
Ein Mose-Flug von Rolf (Dehne) und Arvid (Brinkmann) wenig später erbrachte Hinweise darauf, dass die beobachtete Situation auch tatsächlich ausfliegbar sein könne. Darüber hinaus schon den Hinweis, dass die Hänge südlich unseres Platzes trotz passenden Windrichtungs- und -stärkebedingungen kein Steigen lieferten. Von uns interpretiert als Hinweis darauf, dass sie im Abwindbereich einer Wellenberges liegen.
Ein späterer Start unserer LS4 mit Vorfliegen in diesen Bereich bestätigte dies eindruckvoll durch eine Vier-Minuten-Flugdauer ;-).
Das Steiggebiet der erflogenen Welle, wie es z.B. das IGC-File der K13 zeigt, war - insbesondere auch durch Fluktuationen der Welle im zeitlichen Verlauf, großräumig.
Selten ließ sich auf einer Linie parallel zum Wellenkamm ein durchgängiges Steigen von max. 0,5 m/s erfliegen, in der Regel war auch immer wieder Sinken eingelagert - allerdings immer wieder streckenweise/zeitweilig auch Steigen bis knapp unter 2 m/s. Dies ließ sich leider durch seine Kurzlebigkeit auch im Verlaufe mehrerer Versuche nicht durch Achten-fliegen nutzen. Zu Beginn des K13-Fluges in Höhen von 400 - 600 m (GND) traten diese Steigzonen auch ohne das Auftreten von Kondensationen auf. Später(in Höhen von ca. 700 m ü.Platz  war die Verbindung allerdings regelhaft.
Die bei dem ersten Flug von Rolf mit dem Twin erreichte Höhe von 1.250 m war nachfolgend von niemandem mehr zu erreichen: die höchten erflogenen Höhen lagen bei ca. 1.000 m N.N.
Das typische, vollständig laminare Wellensteigen fand sich erst mit ca. 0,3 m/s für kurze Zeiträume - von mir bewusster wahrgenommen ganz am Ende des Fluges, kurz vor dem Zusammenbrechen der Welle.
Während des K13 Fluges war während einer längerer Phase über den Höhenzügen luvwärts eine Rotorbewölkungslinie, die sich seitlich über den gesamten beschriebenen Wellenraum erstreckte, zu beobachten.
Immer wieder war während des Fluges ein "Heranschwimmen" von Kondensationen zu beobachten, die durch ihre Form - insbesondere die seitliche Erstreckung quer zum Wind - den Eindruck erweckten, als seien sie aus der vorgelagerten Rotorbewölkung herausgelöste Fragmente.
Tatsächlich war es beim Flug im Luv entlang einer solchen - während des K13 Fluges nur einmalig temporär in dieser Erstreckung auftretenden - Rotorbewölkungslinie, die gutes Steigen lieferte, passiert, dass die gesamte Wolkenstruktur nach Lee "abschwamm"; von uns, die wir auf ihr gutes Steigen fixiert waren, zunächst unbemerkt. Schließlich war es notwendig - interessant auf mentaler Ebene ;-) - sich von den scheinbar sicheren Verheißungen der Wolkenstruktur zu trennen und wieder luvwärts "im Leeren" Aufwind zu suchen.
Mit der über den Tagesverlauf sich vollziehenden minimalen Drehung des Windes auf eine Richtung mit mehr südwestlicher Komponente und auch Zunahme desselben, waren lentiartige Bewölkungsmuster über der beschriebenen lückigen Stratusschicht eindeutig SE/NW-orientiert, also SW exponiert.
Versuche, während des im letzten Teil des Fluges unzuverlässiger werdenden Auftretens von Steiggebieten, diese ebenfalls in einer entsprechend veränderten Ausrichtung zu erfliegen, gelangen nicht.
Auch hierzu eine kleine "segelflugpsychologische" Erfahrung: zu beobachten ist, dass man sich bei der Verbildchung des Wellensteiggebietes unwillkürlich in zu hohem Maße von dem Relief leiten lässt. So wird die Luvseite des Wellenkamms unbewusst genau ins Luv der Hügellinie verortet, obwohl er mit seinem besten Aufwind nicht selten weiter luvwärts im Tal zu finden ist
Ebenso ist man verleitet, die Linien des Wellensteigens genau parallel zu den Reliefstrukturen zu suchen - auch das entspricht einfach einem vorgefassten Bild. In der Realität sind durchaus Abweichungen in der Ausrichtung von lokalem Relief- und Wellenstrukturen möglich. Insbesondere wenn die Geschwindigkeit über Grund auf der gewählten Linie auf Gegenkurs größer oder kleiner ist, sollte man das - zumindest bei uns im niedrigen Leinebergland mit seinen von vielerlei Höhenzügen in Folge ausgelösten Wellen - erwägen.
Die Flüge wurden beendet durch das Zusammenberechen der Welle.
comment

Situation zum Zeitpunkt des Starts unseres Twin um ca. 14:00

Blick nach S aus der Welle von Seboldshausen aus (Foto: Arvid Brinkmann)

 

Blick nach W aus der Welle von Seboldshausen aus (Foto: Arvid Brinkmann)

 

Dto. aus der K13 (Foto: Itaru "Casse" Nasu)

 

Dto. Blick nach W (Foto: Itaru "Casse" Nasu)

 

Dto. Blick nach W (Foto: Itaru "Casse" Nasu)

 

(Foto: Itaru "Casse" Nasu)

 

Der abendliche Blick (nach Westen, weitab des Gebiet der erflogenen Welle) auf ein verbleibendes Wölkchen der "Rotorlinien-Fragmente", die uns den Tag begleitet hatten...

Weitere Fotos folgen...

 

Ein Blick auf den 12:00Z-Temp von Bergen bestätigt die Annahme, das der Stratus in ca. 1.250 m N.N. im Raum Bad Gandersheim die unten ebenfalls dargestellt Inversion markiert hat.

(MIt Dank an weather.uwyo.edu)

 

Wind, Luftdruck und -temperatur in Alfeld (Leine):

(Mit Dank an Windfinder.com)

Durch die Lage der Station im Leinetal sind Kanalisierungs- und Dämpfungseffekte nicht ausgeschlossen.

 

 

Die Synoptik im Tagesverlauf:

(Mit Dank an www.wetter3.de)

 

 

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