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Leinetal bei Gronau/W (West)

erstellt von Martin Fuellgraf zuletzt verändert: 15.12.2015 21:32
Leinetal bei Gronau / 3300 m; Pilot: Martin Füllgraf, Dipl.-Ing. Luft- u. Raumfahrt
Name
Martin Füllgraf
Datum
12.12.2015
Windrichtung
W (West)
Ort des Wellensteiggebietes
Leinetal bei Gronau
Auslöser
Ith, Hils, Vogler
Erreichte Höhe
3300 m
Zeit-Bezugssystem
UTC
Höhen-Bezugssystem
QNH
Weitere Daten
Verein:                           AC-Hildesheim Hannover
Flugzeugtyp:                      Stemme S10 23m                
Startort:                         Hildesheim
                                  188 m ü. N.N.         
Startzeit:                        10:24 
Landeort:                         Hildesheim
Landezeit:                        13:34
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Bodenwindrichtung:                250 Grad
Bodenwindstärke:                  12 Knoten
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Einstieg in die Welle/n:         1) Bad Salzdetfurth, 10:43         2) Gronau an der Leine, 11:40
Für jedes Wellensystem:
Einstieg(e) aus:                 Eigenstart
Einstieg(e) in Höhe:             1) 1360m                           2) 1160m
Angetroffene Steigwerte:         1)  - 1m/s                         2) +0,2-1m/s
Erreichte Höhe(n):               3300m, 13:08; Gronau an der Leine
Ausdehnung des Steiggebietes:    Ortsfest über Gronau - Zeitlich von 11:38-13:08
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Vermuteter Auslöser:             Höhenzug Ith/Hils/Vogler als Wellenauslöser  
                                 
                               
Höhenwindrichtung(en):           3300m aus 287 Grad                                  
Höhenwindstärke(n):              81 Km/h
Temperaturangaben:               Minus 15 Grad
Freier Bericht
Leewellenflug mit Stemme S10 in FL 110 der Leinewelle. Für Samstag, den 12. Dezember wurden kräftige Westwinde vorhergesagt, die auf dem Brocken mit etwa 40 Knoten aus 270 Grad den nötigen Anstoß für die Erkundung der Leinewelle bei Alfeld gegeben haben. Die am Startort Hildesheim vorherrschende Windrichtung lag direkt auf der Bahn bei 250/12.Die Aufgabe war somit klar umrissen: das Auffinden von möglichen Wellengebieten im Leinetal bei Westwind. Die Wolkenbasis lag etwa in 800m über Grund und die Tops fanden im Bereich um 1200m über Grund ihren Höhepunkt. Nach dem Start in Hildesheim wurde der Welleneinstieg an bekannter Position in der Nähe von Bad Salzdetfurth gesucht. Nach recht erfolglosem Suchen an dieser Stelle wurde gegen den Wind nach neuen Wellungen Ausschau gehalten. Eine kleinere Schwerewelle konnte sich in ca. 1500m (Bild 1) entwickeln, unter der nur geringes Steigen zu finden war. Die Lenti war schnell erstiegen und über dem Segelflugplatz „An den Sieben Bergen“ fanden sich neue Steiggebiete. Der Blick in Richtung Westen auf die unten liegenden Wolkenmassen ist in Abbildung 2 ("Unter Lenti") zu sehen. Durch das Verschmelzen der Tops mit der konvektiven Schicht eröffnet sich dem Betrachter ein Blick auf eine scheinbar irreale Umgebung, die auch im Film „Interstellar“(2014) gut als Szenerie einer fremdem Planetenoberfläche dienen könnte.Die anschließende Suche in Richtung NNW ergab in der Nähe von Gronau erstes konstantes Steigen. Die Bewölkung hatte sich langsam im gesamten Leinetal vollständig aufgelöst, eine Föhnlücke war entstanden. Mit konstantem Steigen im Bereich zwischen 0,2-1m/s konnte oberhalb der Föhnlücke gleichmäßig Höhe gewonnen werden. Mit zunehmender Höhe hat sich das Steiggebiet leicht in Richtung Luv versetzt. Es zeigte sich später im rasanten Aufstieg keine weitere Lenti im direkten Umfeld des Leinetals.Sehr weit oberhalb der erreichten Flughöhe konnten leichte wellende Konturen identifiziert werden. Am südlichen Horizont, eventuell im Bereich des Sollings und des Hohen Meißners, konnten Silhouetten mehrerer Lenticulariswolken auf Höhe der Stratosphäre (vgl. Bild 3 "Lentis Solling") erkannt werden. Das vorgefundene Steigen in der Leinewelle unterstrich somit optisch den Eindruck weit über die Flugfläche 100 hinaus zu reichen. Nach Absprache mit Bremen Info wurde der Luftraum bis Flugfläche 110 für die Erforschung der Leinewelle freigegeben. Nach definierter Nutzungszeit musste der freigegebene Bereich wieder verlassen werden, so dass der weitere Erkenntnisgewinn mit Erreichen von Flugfläche 110 beendet wurde. Der Blick in Richtung Westen entschädigte für die minus 15 Grad in der Höhe, die auch vor dem Inneren der Stemme S10 keinen Halt machten, vgl. Bild 4 - Leinewelle in 3300m. Tief unter dem Segelflugzeug brodelte die konvektive Luft und die auf Sturmstärke angestiegene laminare Strömung konnte mit leichten Ruderbewegungen beherrscht werden. Das vorhandene Steigen hatte sich auch nach dem Durchsteigen der Flugfläche 100 weiter Luvseitig verlagert. Aus dieser Höhe wäre mit einem Hochleistungsflieger, wie der Stemme S10, im reinen Gleitflug und bei diesem Rückenwind die Endanflughöhe für den Flughafen Prag gegeben. Während des Abstiegs konnten zwei weitere Wellengebiete identifiziert werden. Zum einen lag eine Welle im Bereich des Lees vom Ithhang, deutlich durch einen wolkenfreien Bereich gekennzeichnet. Zum anderen konnte eine lang angeordnete Welle in Richtung Harz ausgemacht werden. Die Ausrichtung lag in etwa bei 320/140 Grad und hatte eine wesentlich höhere Grundlinie, vgl. Bild 5 - Harzwellen. Die für eine Wellenwetterlage bisher übliche SSW Strömung am Boden verliert deutlich an Reiz, wenn sich bei ebenso starkem Westwind vergleichbare Höhen in der Leinewelle realisieren lassen.Details vom Flug unter: (3w-onlinecontest-org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?dsId=4806182). Als Resümee ist festzuhalten, dass bei Westwindwetterlagen eine gute Nutzbarkeit von Wellen im Leinetal möglich ist. Der Startplatz Hildesheim mit seiner Ausrichtung, der Asphaltbahn, dem kurzen Sprung ins Wellengebiet und dem möglichen F-Schleppbetrieb durch die UL-Schule gewinnt dadurch an Attraktivität für die Leewellen-Fliegerei.

 

Foto1: Bild 1 - Lentis der Leinewelle 12 Dezember 2015 EDIT.jpg

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Foto2: Bild 2 Unter Lenti 12-Dezember 2015.jpg

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Foto3: Bild 3 Lentis Solling 12-Dezember 2015.jpg

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Bild 4 Leinewelle in 3300m 12-Dezember 2015.jpg

 

Bild 5 Harzwellen 12 Dezember 2015 EDIT.jpg

 

 

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