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15.11.2015 / W (Pfälzer Wald / Haardt)

erstellt von Jörg Dummann zuletzt verändert: 06.12.2015 19:41

Haardtkante Pfälzer Wald Landau - Worms Charly Frankfurth/W (West) - Peter Franke

 

 

Rheintal / 9086m - Tomek Ziarko

 

Spätestens seit dem 31.10.1968  wissen wir, bis in welche Höhen selbst die niedrigeren sanften Erhebungen unserer Mittelgebirge ausfliegbare Wellen auslösen können. Mehrfach sind in den Jahren seither an unterschiedlichen Orten vergleichbare Höhen im Bereich 7.000 bis 8.000 m erflogen worden. Dennoch galten die Mittelgebirgswellen über all die Jahre gemeinhin eher als nette kleine spätherbstliche Bereicherung unserer Fliegerei.
Der 15.11.2015 mit seiner Reihe von sehr hoch reichenden Flügen - gekrönt durch die von Tomek erreichte Gipfelhöhe von knapp über 9.000m - hat dieses Bild noch einmal gründlich korrigiert.
Worauf es jetzt besonders ankommt ist, dass wir bewußt auf die korrekte mentale Einordnung dieser Wellen und dieser Flüge achten: Trotz der verhältnismäßig einfachen Zugänglichkeit dieser Naturkräfte quasi vom Vereinsheim aus, ist es so, dass wir räumlich und zeitlich punktuell in die Welten vorstoßen, die wir sonst eher im Lee der Anden oder am Mount Everest wähnen...

Extremsegelflug mit der Option zum Breitensport - sicher nicht, was die Leistungen angeht, aber was die lebensfeindlichen Bedingungen angeht, unter denen das stattfindet.

Eine allgemein verbreitete, adäquate Vorbereitung auf solche Flüge wird dadurch erschwert, dass Mittelgebirgswellen vergleichsweise wenig zuverlässig auftreten, insbesondere sehr hochreichende Wellen fast den Charakter von Singularitäten haben. Es gibt Jahre, in
denen treten gar keine entsprechenden Wetterlagen auf.
Und das alles noch dazu in einem Luftraum, der zu den am intensivsten frequentierten und auch regulierten der Welt gehört.
So ist es eine kleine Spitze ambitionierter Piloten, die viel Aufwand in ihre persönliche Vorbereitung, sowie die Ihres Flugzeugs und die notwendige Infrastruktur steckt.
Wir anderen laufen Gefahr, verführerischen, großen fliegerischen Chancen womöglich ungenügend vorbereitet zu begegnen.
Bewußtseinsbildung ist hier wichtig, das Aufzeigen der Grenzen, die wir einhalten müssen, wenn wir diesen weitreichenden Aufwand nicht betreiben ... betreiben wollen... oder können.

Kann es uns gelingen, über all die Zusammenhänge, über all das, was bei einer solchen Fliegerei Beachtung finden muss, hinreichend und weitreichend zu informieren?
Trotz der inzwischen langjährigen Bemühungen, auf unseren Treffen und im Internet auch flugmedizinisches, flugmechanisches und flugsicherungstechnisches KnowHow für Höhenflüge zu vermitteln,
trotz der z.B. in Aschersleben durchgeführten geleiteten Wellenfluglager, gibt es noch weitreichende Defizite. Hier möchte ich auch ausdrücklich einen Apell an den DAeC richten, diesen so notwendigen Informations-Prozess mit seiner Infrastruktur und insbesondere mit der erforderlichen Reichweite zu stützen.
 

Nicht als Spassbremse oder Bundesbedenkenträger möchte ich also hier auftreten, sondern als ein Segelflieger, der sich selbstkritisch fragt: wo sind meine Grenzen...? (Pural! :-))

Folglich endet mein Appell mit einer Binsenweisheit:
es hängt letztendlich weitgehend von jedem Einzelnen ab - von dem, inwieweit ihn auszeichnet, was neudeutsch so treffend als "good airmanship" bezeichnet wird.

Auch Tomek sieht seinen Flug rückblickend nicht ohne Selbstkritik. Sein Resümee ist:
"Die mittlerweile erreichten Höhen bringen uns als Hobbypiloten große Risiken. Einfach mal losfliegen kann zum Verhängnis werden."

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