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Werra Valley Surf Camp

erstellt von Thomas Meder — zuletzt verändert: 12.11.2013 11:42
Wellen- und Hangflug im Werratal

Zu einem spontanen, mehrtägigen Wellenflugbetrieb, dem "Werra Valley Surf Camp", trafen sich mehrere interessierte Piloten aus ganz Deutschland, sowie interessierte Vereinsmitglieder Mitte Oktober 2013 auf dem Flugplatz Witzenhausen-Burgberg in Nordhessen.

Alles begann damit, dass Torsten „Zwerg“ Linstädt, begeisterter Hang und Wellenflieger, bei Thomas Meder, Mitglied im Luftsportverein Witzenhausen, anfragte, ob man mal in Witzenhausen vorbeikommen könne, wenn Wellenwetter vorhergesagt ist. Er sei durch Berichte von Reiner Fröhlich und Gert Bräutigam auf Schwerewelle.de  auf dieses Gebiet aufmerksam geworden. „Ich hab das Werratal schon ein paar Jahre im Blickpunkt und richtig Lust drauf“, schrieb er in seiner Nachricht.

Bereits zwei Wochen nach seiner Anfrage waren bei einer kräftigen Süd- bis Südwestströmung Wellen vorhergesagt, sodass man sich spontan entschloss, auf dem Flugplatz Witzenhausen Welle zu fliegen. Neben Zwerg kamen auch Christof Maul, Thomas Seiler sowie Christoph Schwahn  mit Ihren Flugzeugen nach Witzenhausen und richteten sich gemütlich auf dem Burgberg für mehrere Tage ein. Auch einige Vereinsmitglieder des LSV-Witzenhausen nutzten diese Möglichkeit, um mal wieder Welle zu fliegen.

Ziel der Gäste war es, die Werratalwelle, sowie Hangflugmöglichkeiten im Werratal näher zu erforschen, da es über diese Welle und Hänge kaum aufgezeichnete Flüge gibt. Bei Südwestströmung wurde in der Vergangenheit von "RASP Niedersachsen Wave"  meistens eine, entlang des gesamten nördlichen Werratals verlaufende, starke Welle prognostiziert. „Die zentrale Lage des Werratals zwischen allen bedeutenden Wellengebieten Norddeutschlands macht es sehr interessant“, so Zwerg. „Daher hoffen wir auf möglichst viele Flugtage, um viele IGC-Files schaffen zu können.“

Vier Tage Flugbetrieb mit vielen neuen Eindrücken

Insgesamt wurde an vier Tagen vom Flugplatz Witzenhausen aus zu Wellenflügen gestartet.

Der Einstieg in die Primär-Werratalwelle war meist genau über dem Flugplatz Witzenhausen. Das Steiggebiet reichte von Witzenhausen bis hin zur Werratalbrücke bei Hann. Münden.

Am ersten Flugtag, dem 22 Oktober, war die Welle allerdings noch nicht sehr stark ausgeprägt und reichte nur bis knapp über 2000m, sodass die Piloten die Höhe nutzten, um die Landschaft kennen zu lernen. Dafür war der Folgetag umso besser.

Der Kaufunger Wald als Auslöser der Werratalwelle. Im Vordergrund der Flugplatz Witzenhausen mit seinen beiden Pisten.

© Thomas Seiler

Abb. 1: Der Kaufunger Wald als Auslöser der Werratalwelle. Im Vordergrund der Flugplatz Witzenhausen mit seinen beiden Pisten

Der Wind am 23. Oktober frischte etwas auf, sodass an diesem Tag Höhen von 3000m erreichte werden konnten. Ein Highlight gelangt an diesem Tag Thomas Seiler: Nachdem in der Primärwelle 3000m erreicht wurden, flogen er und Zwerg auch zu den sekundären und tertiären Wellen, die über Göttingen, Northeim und am Südrand des Harzes standen. Die Steigwerte waren jedoch wesentlich schwächer. Während Zwerg mit seinem Ventus 2cT wieder zurück Richtung Witzenhausen flog, schien es für Thomas aussichtslos, mit der Hornet vom Südrand des Harzes gegen den Wind zurück nach Witzenhausen zu kommen. „Ich flog mit Rückenwind weiter über den Harz und stieg in die Brockenwelle ein. Dank Einzelfreigabe bis FL 120 konnte ich 3500 m erreichen; das Steigen war dort immer noch richtig gut.“ Der baldige Sonnenuntergang erzwang jedoch einen schnellen Abstieg. Thomas landete in Ballenstedt (er sammelte so gleich Punkte für das Wellenschwein) und kehrte mit der Bahn nach Witzenhausen zurück. Am Folgetag brachte er mit seinem Hänger die Hornet zurück nach Witzenhausen.

Die Wolkenlücke der Sekundärwelle bietet einen Blick auf Göttingen. Dahinter ist die Tertiärwelle zu erkennen.

© Thomas Seiler

Föhnlücke über dem Werratal bei Hedemünden 
© Thomas SeilerHoch über den "Roll clouds" die hohen Lentis der Harzwelle

© Thomas Seiler
Abb. 2: Die Wolkenlücke der Sekundärwelle bietet einen Blick auf Göttingen. Dahinter ist die Tertiärwelle zu erkennen. Abb. 3: Föhnlücke über dem Werratal bei Hedemünden Abb. 4: Hoch über den "Roll clouds" die hohen Lentis der Harzwelle

 

Da am 24. und 25. Oktober nicht genug Wind für Welle war, nutzte Zwerg die Tage, um sich während einer Wanderung mir seinem Hund die Hänge im Werratal, sowie mögliche Außenlandefelder, vom Boden aus anzusehen. Er kam zu dem Ergebnis, dass Hangflug im Werratal sehr gut möglich sein sollte und wollte dies natürlich auch noch testen.

Am 26. Oktober war aber erstmal wieder Welle angesagt. Erneut wurden im Werratal Höhen von 3000m erreicht. Zwerg nahm Funkkontakt Richtung Thüringer Wald, u.a. mit Jan Rothard, auf. Durch zu viel Feuchte war es aber nicht möglich, direkt in diese Richtung zu fliegen, sodass er immer weiter Richtung Nordost ausgewichen ist. Bei Nordhausen waren die Wellen sehr schön durch Rotorbänder und Lenticularis gezeichnet, allerdings für Segelflug zu schwach, sodass Zwerg wieder Richtung Werratal flog.

 Flugspass pur über dem Werratal

© Thomas Seiler

Abb. 5: Flugspass pur über dem Werratal

Am letzten Tag, dem 27. Oktober, blies der Wind sehr stark aus Südwest. Zwar war ein Sprung in die Welle auch vom Haushang, dem Sandwald, möglich, allerdings machte eine geschlossene Wolkendecke einen Wellenflug unmöglich. Das perfekte Wetter für Hangflug. Jetzt konnte Zwerg endlich seine Ideen testen. Nach zwei Stunden am Hang war er begeistert: „Von Hann. Münden bis südöstlich Treffurt sind Hangflüge von über 300km möglich. Der Höheberg (Teufelskanzel), ein natürliches Amphitheater, mit surrealen Herbstfärbungen, ist der optische Höhepunkt des Tales, mit einem grandiosen Düseneffekt.“ Die interessanteste Erkenntnis an diesem Flug ist für Zwerg, dass man, z.B. vom Thüringer Wald kommend, schon deutlich vor den Welleneinstiegspunkten ins Werratal eintauchen und sich im Hangflug bis zu diesen vorarbeiten kann, ausreichend Bodenwind vorausgesetzt.

Das Werratal bei Bad Sooden-Allendorf. Die Hänge sind stärker zerklüftet als das Wesergebirge, bieten bei kräftigen Südwestwinden dennoch gute Hangflugmöglichkeiten. Im Hintergrund der Hohe Meißner, ein guter Wellenspender bei West- und bei Ostwind

© Thomas Seiler

Abb. 6: Das Werratal bei Bad Sooden-Allendorf. Die Hänge sind stärker zerklüftet als das Wesergebirge, bieten bei kräftigen Südwestwinden dennoch gute Hangflugmöglichkeiten. Im Hintergrund der Hohe Meißner, ein guter Wellenspender bei West- und bei Ostwind

Fazit des Flugbetriebes

Nach vier Tagen Flugbetrieb stand für alle Piloten fest: Es war eine gute Entscheidung nach Witzenhausen zu fahren.

Was für Christof Maul von der Akaflieg Frankfurt das Werratal so interessant macht, ist die Lage zwischen Thüringer Wald und Weser. „Man kommt ohne Probleme auch mit der Clubklasse in den Harz, das hat ja Thomas bewiesen“. Die Erforschung tragender Linien wie Wellenaufwinde, Hangaufwinde und Thermikaufreihungen, sowie Anwendung und Umsetzung der Forschungsergebnisse in den Leistungs-Segelflug ist ein Schwerpunkt der Akaflieg Frankfurt, die sich dafür vorwiegend der frei zugänglichen Daten auf der SkyLines-Plattform bedient. Die gute Perspektive für den Wellenstreckenflug ist seines Erachtens ein ganz wichtiges Fazit des Wellencamps in Witzenhausen.

Auch Torsten war begeistert: „Es ist abartig geil hier“, sagte er beim abschließenden gemeinsamen Grillen. „Ihr seid hier im Paradies!“

Alle Piloten waren sich einig: Vier tolle Tage mit interessanten Flügen gehen zu Ende und es war mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass sie in Witzenhausen Welle geflogen sind.

INFO: Die einzelnen Flugwege können im OLC und in Skylines angeschaut werden.

Weitere Bilder von Zwerg:

 

 

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