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Südost-Welle am 3. Oktober 2013: Harz, Ith, Weserbergland

erstellt von Thomas Seiler zuletzt verändert: 18.10.2013 13:15
Südost-Welle im Harz, vor allem am Acker – Wind ab ca 1500 m mit der Höhe abnehmend – Wellen am Ith-Nordkopf und am Taubenberg

Wie schon an den Tagen zuvor, befanden sich große Teile Norddeutschlands am 3. Oktober unter einer antizyklonalen Südostlage mit kräftigen Winden, deren Maximum jedoch bei rund 1500 m lag. Eine Inversion begann in nur wenige Hundert Meter über MSL.

DWD-Bodenanalyse 03.10.2013   12 UTC 

Für diesem Tag finden sich im OLC Wellenflüge aus folgenden Gebieten:

  • Sauerland: bis 2100 m
  • Weserbergland: bis 1800 m
  • Harz: bis 2900 m
  • Fichtelgebirge und Steinwald: bis 2000 m
  • Erzgebirge: bis 1700 m
  • Eifel: bis 1450 m
  • Taunus und Hunsrück: bis 1400 m 

 

Hier der Link zur Tageswertung Deutschland.

Am Morgen des 3. Oktober standen sieben Segelflugzeuge in Aue bei Hattorf am Start. Die Ackerwelle ging zuverlässig, der Einstieg nahe des nördlichen kleinen Stausees der Sösetalsperre war problemlos. Das Windprofil bestätigte weitgehend die Vorhersage: In ca 1500 m 150°/50 km/h (gemessen durch Kreise mit Zander 940), in 2400 m 120°/27 km/h. Aufgrund des mit der Höhe abnehmenden Windprofils befand sich das beste Steigen in den unteren Abschnitten unter 2000 m. Erstaunlich, dass vereinzelt Höhen über 2700 m möglich waren. Diese Höhen waren aber nicht kontinuierlich reproduzierbar erreichbar. Vielmehr handelte es sich um zeitlich und lokal begrenztes Steigen mit leichter Turbulenz, welches mehr Ähnlichkeit mit Thermik hatte und auch am besten durch Kurbeln ausgeflogen werden konnte. Die Windgeschwindkeiten (aus Kreis-Messungen) bewegten sich im Bereich von 10 bis 20 km/h.

Die Lage der Primärwelle entsprach weitgehend den Erwartungen. Die Karte mit den IGC-Flugspuren von acht Flügen zeigt die Steiggebiete deutlich und möge Ackerwellen-Neulingen als Hilfe für den Welleneinstieg dienen.

IGC-Flugspuren von acht Flügen im Harz 

Neben der Primärwelle vom Acker und vom Brocken wurden auch andere mögliche Steiggebiete untersucht:

Christof untersuchte die Sekundärwelle und fand dabei drei isolierte Steiggebiete ca. 5 km entfernt von der Primärwelle. Das erste Steiggebiet lag auf halbem Weg zwischen Clausthal-Zellerfeld und Osterode direkt über der B241, das zweite ca. 2 km östlich von Clausthal-Zellerfeld über den Teichen und das dritte direkt über der Okertalsperre. Das Steigen war schwach, aber ein Höhengewinn möglich im Höhenband zwischen 1600m und 2200m. Luvseitig des Ackers, über dem Odertal bei Bad Lauterberg, konnte man immerhin etwas die Höhe halten, ebenso am Wurmberg. Nordwestlich von Herzberg, über dem Ort Sieber im Siebertal, war leichtes Steigen anzutreffen zwischen 1500m und 1600m. Versuche, am Harz-Nordrand eine Welle zu finden (getriggert durch die starke Südkomponente in größerer Höhe), bei Bad Harzburg und Goslar blieben erfolglos, ebenso wie die Suche nach einer Tertiärwelle und der bekannten Welle am nordwestlichen Harzrand bei Seesen. Für letztere kam der Wind offenbar zu weit aus Süd und zu wenig aus Ost. Die leeseitige Suche nach schwächeren Wellen an neuen, noch nicht dokumentierten Stellen war aber durch die geringe Arbeitshöhe erschwert.

Nach einem Aufstieg in der Acker-Welle über 2800 m verließ ich mit Rückenwind den Harz und flog Richtung Ith. An seinem Nordende biegt der Höhenzug nach Osten ab, so dass ein Stück Hang quer zur Südost-Windrichtung liegt. In dessen Lee gab es Steigen von 0,3 bis 0,8 m/s, das mir ausreichend Höhe bis Rinteln verschaffte. Leider war in Bisperode zu starker Seitenwind für Segelflugbetrieb, so dass die Piloten des dortigen Hangfluglagers am Boden bleiben mussten.

Im Lee des Taubenbergs bei Rinteln befand sich eine weitere schwache Welle, die gut mit Segelflugzeugen markiert war. Ich flog die Welle aber nicht mehr allzu lange aus, da mein Plan vorsah, noch am gleichen Abend mit dem Zug von Rinteln zurück nach Hattorf zu fahren. 

Vielen Dank an die Segelflieger von Aue bei Hattorf für die stets freundliche Aufnahme und das unkomplizierte In-die-Luft-Kommen, an Henno für den Shuttle vom Flugplatz Rinteln zum Bahnhof, und an Christof für das Warten und den Shuttle vom Bahnhof Hattorf zum Flugplatz Aue.


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